Aquarien, deren Bewohner und mehr
  Australischer Flusskrebs
 

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)

Diese Tiere halte ich nicht mehr

Seit April 2009 leben bei mir zwei Australische Rotscheren Flusskrebse. Die Tiere sind sehr farbenfroh und auch als Red Claw bekannt. Ihre Heimat sind die Flüsse, Seen und Billabongs (Wasserlöcher) im tropischen Küstengebiet der australischen Bundesstaaten North Territory und Queensland.

Inhalt

Haltung
Becken
Ernährung
Häutung
Vermehrung
Nachwuchs

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Die Rotscherenkrebse gehören zu den gefährdeten Tierarten. Sie sind bei uns nur deshalb erhältlich, weil sie in Australien und Neu Guinea als begehrte und sehr schmackhafte Speisekrebse gezüchtet werden. Einige Züchter kamen dann auf die Idee, sie nicht nur in Restaurants, sondern auch im Zoofachhandel zu vermarkten. Die Krebse haben bei uns also quasi Asyl.

Die Vorbesitzerin sagte mir, dass es sich vermutlich um zwei Weibchen handelt und dass sich die beiden nicht grün sind. Ich habe sie deshalb erstmal getrennt voneinander in einem geteilten 150-Liter-Becken untergebracht.

Inzwischen weiß ich, dass es sich um ein Männchen und ein Weibchen handelt. Beide leben jetzt auch sehr friedlich im gleichen Becken. Sie müssen sich aber aus dem Weg gehen können und brauchen ihren Rückzugsbereich.

Die Farbpalette der Krebse reicht von dunkelbraun bis blau-grün mit rotbraunen Streifen. Meine beiden waren zuerst rötlich braun gefärbt, so wie auf den Bildern oben und rechts. Inzwischen hat der Körper meines Männchens einen bläulichen und der meines Weibchens einen grünlichen Farbton. Beine und Scherenbeine sind hell- bis mittelblau.

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Als ich die Tiere im April 2009 übernommen habe, hatten sie acht bzw. zehn Zentimeter Körperlänge (ohne Scheren). Inzwischen haben sie 14 bzw. 15,5 cm Körperlänge erreicht. 

Im Moment ist mein Weibchen noch das größere Tier. Ich gehe aber davon aus, dass sich dass noch ändern wird, da gewöhnlich die Männchen größer sind.
 
Ausgewachsene Tiere können etwa 18 cm Körperlänge und ein Gewicht von 600 Gramm erreichen. Hinzu kommen die Scheren, die etwa 12 cm lang werden können.

Die Alterserwartung soll bei etwa fünf Jahren liegen.

 

Haltung  

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Anfängern möchte ich Australische Rotscheren Flusskrebse nicht empfehlen. Sie sind zwar pflegeleicht, aber die Hübschen werden relativ groß, brauchen dann ein großes Becken und fressen zwischendurch vielleicht das Aquarium leer. Das entspricht dann möglicherweise nicht den Erwartungen und die Enttäuschung ist groß. Für den frischen Aquarianer und das Tier wäre das schade.

Rechts: Quadricarinatus Ausflug

Videospielzeit: 3:43Minuten

Obwohl nachtaktiv sind meine Krebse auch tagsüber unterwegs. Rechts seht Ihr mein Männchen (gut zu erkennen an den roten Flecken an beiden Scheren) auf seinem Rundgang, ständig umschwärmt von meinen Sulawesis, mit denen er das Becken teilt. Wie Ihr seht, klappt diese Lebensgemeinschaft prächtig.

Musik: RVG, Paris in the Rain,
Don't say I didn't warn you
(http://jamando.com/de/album/43607)

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Meine beiden Australischen Flusskrebse teilen ihr Becken mit einer Großfamilie von mehr als hundert Sulawesi Inlandsgarnelen. Riesen und Zwerge kommen bestens miteinander aus. Oft setzen sich die Garnelen auf die Krebse und lassen sich von ihnen durchs Becken tragen. Die Garnelen werden nicht von den Krebsen gejagt. Ab und an fährt aber einer der Krebse mit einem Fühler zwischen die Garnelen und scheucht sie auf. Die Garnelen sausen dann total aufgeregt durchs Becken. Auch andere Zwerggarnelenarten der Gattung Caridina und Neocaridina sind geeignet.

Im Internet habe ich auch von Vergesellschaftungsmöglichkeiten mit Regenbogenfischen, großen Barschen (Malawisee Cichliden) oder Welsen, mit kleinen flinken Fischen, mit großen Apfelschnecken und mit Ringelhandgarnelen (Macrobrachium spec.) gelesen. Selber ausprobiert habe ich das noch nicht.

Es gibt aber auch Berichte, das gleich große Minihaiwelse und Skalare nach kurzer Zeit gefressen wurden. Lebendgebährende Fische, z. B. Guppys, würde ich auch nicht ins Becken tun, wenn der Nachwuchs erhalten bleiben soll. Das sie gerne kleine Schnecken verzehren, ist für manche Aquarianer sogar ein Segen.

Bei der Vergesellschaftung ist also Vorsicht geboten. Ein großes Becken und häufiges Füttern in kleinen Portionen dürfte aber für Ruhe sorgen und mögliche Ausfälle reduzieren. Warum sollten die Krebse jagen, wenn ihnen das Futter vor die Füße fällt und sie eigentlich pflanzliche Nahrung bevorzugen?

Auch die Haltung verschiedener Cherax-Arten im gleichen Becken solltet Ihr vermeiden. Normalerweise wird die schwächere Art verdrängt und geht zugrunde. Aber auch eine Verpaarung kann nicht ausgeschlossen werden.

Australische Flusskrebsarten sind nicht immun gegen die Krebspest. Ihr dürft sie deshalb niemals gemeinsam mit amerikanischen Flusskrebsarten in einem Becken halten. Amerikanische Flusskrebse sind immun, können den krankheitsverursachenden Pilz aber trotzdem mit sich tragen und verbreiten. Die Krebspest wird auch indirekt über Käscher, Schläuche, andere Gerätschaften oder Eure Finger übertragen. Benutzt deshalb niemals die gleichen Gerätschaften und wascht Euch ausgiebig die Finger, wenn Ihr nacheinander in den Becken hantiert.

Bei der Vergesellschaftung mit Fischen solltet Ihr bedenken, dass Fischkrankheiten in Krebsbecken nicht mit Medikamenten behandelt werden können. Krebse vertragen das in den meisten Medikamenten enthaltene Kupfer nicht. Ihr braucht in diesem Fall ein UV-Gerät, um schädliche Krankheitskeime abzutöten.

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 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Die Tiere fühlen sich in Gesellschaft wohler und sollten als Paar oder kleine Gruppe gehalten werden. Eine stabile Zuchtgruppe könnte z. B. aus zwei Männchen und vier Weibchen bestehen. 

Untereinander verhalten sich die Krebse normalerweise friedlich. Sie regeln ihre Reviersteitigkeiten mit Drohgebärden, indem sie durch Hochstellen ihrer Antennen und Scheren ihre Kampfbereitschaft und Stärke signalisieren, wie links im Bild mir gegenüber.

Dabei pinkeln sie ihren Gegner mit einer in Kopfnähe sitzenden Drüse an. Wer am stärksten pinkelt und dabei am strengsten riecht ist stärker. Das sorgt für die nötige Klarheit und reicht gewöhnlich. Ich bin nach dem Fotografieren auch gegangen.

 

Becken

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Die Krebse werden sehr groß. Sie müssen sich aus dem Weg gehen können und brauchen jeweils ein eigenes Versteck. Das Becken für ein Pärchen sollte deshalb mindest einen Meter Frontlänge haben und bei Gruppen entsprechend größer sein.

Nachdem klar war, dass es sich bei meinen Cherax um ein Pärchen handelt, habe ich sie gemeinsam in einem 150-Liter-Becken untergebracht.

Viele Aquarianer legen, bevor sie mit der Einrichtung eines Krebsbeckens beginnen, eine Plexiglas- oder Styroporplatte auf den Beckenboden. Die Platte dient als Schutz, damit die Bodenscheibe nicht springen kann, falls die Krebse bei ihren Bauarbeiten Steinschlag verursachen. Ob Ihr das auch tun solltet, hängt vom Baumaterial ab, dass Ihr den Krebsen liefert. Ich bevorzuge kleine und leichte Materialien.

Für den Boden verwende ich eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Kiesschicht (mittlere Körnung). Solch eine Kiesschicht ist wichtig, damit die Krebse etwas zum Bauen haben und sich nach ihren eigenen Vorstellungen einrichten können. Als Wohnhöhle habe ich jedem der beiden eine halbe Tonröhre ins Becken gelegt. Die Wohnröhre sollte hinten geschlossen sein. Sonst fühlen sich die Krebse nicht sicher und machen ihre Höhle womöglich an der falschen Seite dicht. Dann habt Ihr wenig zu kucken.

Daher empfiehlt es sich, hinten etwas mehr Kies anzuhäufeln und die Tonröhre dort in den Kies zu drücken. Über die Röhren habe ich Lavasteinen geschichtet. So sieht man sie nicht und die Krebse sind in der Röhre vor Steinschlägen geschützt. Auf die Steine habe ich etwas Javamoos gebunden. Zusätzlich liegen Wurzeln im Becken.

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Vor kurzem habe ich gelesen, dass eine mindestens zehn Zentimeter dicke Sandschicht besser als Kies sein soll, weil sie wie eine natürliche Kläranlage wirkt und Nitrat abbaut. In den Sandschichten ab etwa acht Zentimeter tiefe leben Bakterien, die Nitrat in Stickstoff und Sauerstoff aufspalten. Ich werde das bei nächster Gelegenheit ausprobieren.

Rechts: Quadricarinatus Baumeister

Videospielzeit: 1:10 Minuten

Wie schon angedeutet sind alle Krebse, auch Cherax Quadricarinatus, wahre Baumeister. Sie richten das Becken ein. Ihr liefert nur das Material und erledigt den möglichst einsturzsicheren Rohbau. Ihr solltet diese Arbeitsteilung akzeptieren. Ich könnte mir vorstellen, dass manche Krebse nur deshalb aggressiv reagieren, weil sie ihr Becken nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen einrichten können.

Im Video habe ich manchmal mit Zeitraffer gearbeitet. Hohes Tempo ist nicht ihre Welt.

Musik: Bop, CCH-Stage
(
http://bgsound.de/)

Rechts: Quadricarinatus Hausputz

Videospielzeit: 3:42 Minuten

Noch während ich mit der Einrichtung beschäftigt war haben meine beiden fleißig mitgestaltet. Da wurde hier der Eingang vergrößert, da einer der Steine verrückt und dort ein wenig Kies durchs Becken geschoben. Eine herrliche Vorführung. Nach etwa zwei Stunden war es ihnen gemütlich genug und es ging zum Heia machen ins neue Heim.

Musik: Berthold Göbbels, Cold Coffee
(
http://bgsound.de/)

Beide sitzen gerne in ihren nebeneinander liegenden Höhlen und beobachten das Treiben davor. Besonders nach der Häutung haben sie ein sehr großes Bedürfnis sich zu verstecken, da sie dann sehr weich sind.

Obwohl ich weiß, dass die Krebse mit Pflanzen nicht sehr sorgsam umgehen, habe ich versuchsweise einige Vallisnerien gepflanzt. Bei meinen Allenis hatte ich damit gute Erfahrungen gemacht. Bei meinen Cherax war die Bepflanzung aber ein glatter Misserfolg und nach wenigen Tagen einschließlich der Wurzeln weggefressen.

Demnächst werde ich es noch einmal mit gehämmertem Wasserkelch (Cryptocoryne usteriana), Anubien und Javafarn (Microsorium pteropus) probieren, da diese nicht oder kaum angefressen werden sollen.

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Mittelpunkt des Beckens ist die Nachbildung des Parthenon-Tempels auf der Athener Akropolis. Das ist nicht sehr australisch. Es ist aber praktisch und schafft eine gute Beckenstruktur. Durch die Säulen ist das Becken in drei hintereinander liegende Zonen unterteilt, so dass sich die Tiere aus dem Weg gehen können. Beim Umrunden des Bauwerks haben die Krebse auch einen viel längerer Auslaufweg. Dadurch erscheint das Becken für die Krebse größer, als es tatsächlich ist.

Ab und an wandern meine Krebse bei der Futtersuche durch das Becken, klettern auf den Steinhaufen, kraxeln um den Parthenon herum und auch darüber oder scheuchen die Garnelen durchs Becken. Besonders Letzteres scheint ihnen viel Spaß zu machen...

Für mich bieten die Säulen des Parthenons viele Durchblicke zum beobachten. Die umgefallenen Säulen gehören natürlich zum Modell und sind nicht Ergebnis der Baukunst meiner Krebse.

Die Krebse kommen zwar aus der Tropenregion Australiens, kommen aber mit 20 bis 28°C Wassertemperatur gut zurecht. Mache Aquarianer lassen die Wassertemperatur sogar zeitweise auf 15°C absinken, ohne dass die Tiere leiden. Ich habe deshalb die Beckenheizung herausgenommen und halte die Tiere bei Zimmertemperatur, meist so etwa 20°C.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen beeinflusst die Wassertemperatur das Wachstum der Tiere. Ich halte meine Jungtiere z. Z. in zwei Becken, eins mit Zimmertemperatur, eins mit Beheizung auf konstant 25°C. Die Jungtiere im beheizten Becken sind inzwischen etwa doppelt so groß wie die anderen. Höhere Wassertemperaturen sollen andererseits aber auch die Lebenserwartung verkürzen.

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Alle Flusskrebsarten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Eine Aquarienbeleuchtung ist deshalb nur bedingt wichtig. Zu viel und zu helle Beleuchtung kann sogar dazu führen, dass die Tiere scheu werden, weil sie verstärkt nach dunklen Verstecken suchen.

Meine Australischen Rotscherenkrebse sind nach der Eingewöhnung aber auch häufig tagsüber unterwegs. Diese Tagaktivität wurde mir auch von anderen Besitzern bestätigt.

Bei mir ist die Beleuchtung täglich etwa 10 Stunden angeschaltet, um einen Tag-Nacht-Rhythmus zu simulieren.

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Die Krebse leben in der Natur meist in Flüssen und lieben sauberes sauerstoffreiches Wasser. Ich verwende deshalb einen Hamburger Mattenfilter, der für Strömung und eine gute Wasserqualität sorgt.

Ihr solltet das Wasser auch in regelmäßigen Abständen wechseln. Ich tausche etwa alle 2 Wochen ungefähr ein Viertel des Beckeninhalts gegen frisches Leitungswasser. Mehr als ein Viertel ist nicht so gut, weil dann die Kleintierwelt im Wasser zu gering wird. Sterile Becken mögen Krebse gar nicht. Das Frischwasser kann ruhig kalt sein. In der Natur sind solche Temperaturschwankungen normal und beleben die Tiere.

Die Krebse sind sehr kräftig, können hervorragend klettern und tun das auch, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Es gehört zu ihrem natürlichen Verhalten, in andere Gewässer zu wechseln. Ein Schlauch oder ein Kabel ist für einen Ausbruchsversuch Gelegenheit genug. Draußen angekommen haben sie nur eine Überlebenschance von maximal 12 Stunden. In der Zeit vertrocknen sie und leiden sehr. Achtet deshalb unbedingt auf eine gute und schwere Ausbruchssicherung.

Rechts: Quadricarinatus Flucht aus dem Parthenon

Videospielzeit: 1:17 Minuten

Wie gut die Tiere klettern können, seht Ihr auf dem Video rechts. Wenige Tage nach dieser Kletteraktion bemerkte ich, dass die junge Dame ihre Schwanzflosse umklappte, um ihre Eier zu verstecken. Parthenon hieß bei den alten Griechen das Jungfrauengemach. Da sie gerade die Nachbildung des Parthenon-Tempels auf der Athener Akropolis überwindet, schien mir der Titel ganz passend.

Musik: Bop, Firefighters
(
http://bgsound.de/)

 

Ernährung

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In ihrer natürlichen Heimat sind Flusskrebse der Gewässergesundheitsdienst. Sie sind Allesfresser und ernähren sie sich überwiegend von abgestorbene Pflanzenteilen, Algen, modrigem Holz und Wasserpflanzen. Sie mögen Aas und kranke Tiere, weil sie einfach zu fangen sind und verhindern dadurch die Verbreitung von Krankheiten und das Umkippen des Gewässers.

Auf ihrem Speiseplan stehen aber auch Würmer, Molche, Frösche, Schnecken, Muscheln und Fische. Dabei packen sie ihre Beute mit ihren großen Scheren. Mit den kleinen Scheren ihres zweiten und dritten Laufbeinpaares zerteilen sie ihre Beute und führen sie dann zum Mund. 
 

Bei genügend Hunger und Gelegenheit sollen sie sogar ihre eigenen Artgenossen verspeisen, wenn diese nach der Häutung vorübergehend schutzlos sind und kein angemessenes Versteck bezogen haben. Die Tiere sind aber während und kurz nach der Häutung sehr vorsichtig und wenn Ihr ausreichende Verstecke anbietet, sollte das kein Problem sein.

Ich füttere viel Pflanzliches (Wasserpflanzen aus anderen Aquarien, geschälte Salatgurken, gekochte Möhren, mit kochendem Wasser überbrühtes und damit keim- und parasitenfrei gemachtes gewässertes Herbstlaub), Flockenfutter, Futtertabletten und gelegentlich Fleisch (gefrorene Mückenlarven).

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Rechts: Quadricarinatus Dinner For One

Videospielzeit: 1:23 Minuten

Um meine Krebsdame aus der Wohnung zu locken, gibt es als besonderen Leckerbissen gefrorene Mysis Schwebegarnelen.

Proteinhaltiges Futter sollte aber generell sparsam verwendet werden, da sich Krebse in der Natur überwiegend pflanzlich ernähren. Zu wenig pflanzliche Nahrung kann zu Häutungsproblemen führen.

Musik: Bop, CCH-Stage
(
http://bgsound.de/)

 

Häutung

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Krebse haben kein Skelett, sondern einen Chitinpanzer, der ihnen von außen Stabilität und Schutz gibt. Der stört gelegentlich, weil er nicht mit wächst und deshalb abgeworfen werden muss. Diese Häutung ist bei jedem Krebs immer wieder ein großartiges Erlebnis.

Die Tiere kündigen ihre Häutung meist schon einige Tage vorher an. Sie ziehen sich zurück, werden ruhiger und fressen nicht mehr, um ihrem Panzer Kalk zu entziehen. Dadurch kann sich auch ihre Farbtönung ändern. Ihr solltet das Tier dann in Ruhe lassen. Es hat Stress genug.

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Sobald die Verbindung zwischen Carax und Abdomen platzt, legt sich das Tier auf die Seite. Mit rhythmischen Bewegungen löst es dann seinen Körper innwändig vom alten Panzer und zieht genau an der geplatzten Stelle seinen schutzlosen Carapax und Abdomen aus dem alten Panzer heraus. Meistens gelingt das. Es kommt aber auch vor, dass sich das Tier nicht vollständig befreien kann, oft an den Scheren, und dann zugrunde geht. Bei anderen Krebsarten konnte ich das schon beobachten, ohne selbst helfend eingreifen zu können.

Der alte Panzer wird als willkommener Chitin- und Kalklieferant vom Krebs oder anderen Tieren schnell gefressen. Also lasst ihn besser im Aquarium, auch wenn es zuerst so aussieht als läge da ein toter Krebs.

Die große Überraschung ist, dass der Krebs nach der Häutung wieder über Gliedmaßen verfügt, die er vorher verloren hatte, meist allerdings etwas kleiner. Es kann einige Häutungen dauern, bis verloren gegangene Gliedmaßen wieder die angestammten Maße erreichen, aber es gelingt nach meiner Erfahrung immer.

Bei der letzten Häutung meines Männchens war ich leider ein paar Minuten zu spät.

Wie Ihr rechts seht, ist es gerade aus dem alten Panzer heraus und geht in Deckung. Bei der Häutung hat er den alten Panzer ziemlich geschreddert. Aber es ist alles gut gegangen und seine kaputte linke Schere ist auch wieder ganz.

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Die Häutung ist ein schwieriger und gefährlicher Augenblick, denn das Tier ist schwach, kann sich nicht verteidigen und besitzt auch keinen schützenden Panzer.
Nach der Häutung nennt man die Tiere auch Butterkrebse, weil ihre Haut butterweich und ungepanzert ist. Es bleibt für die Krebse also gefährlich.

Links seht Ihr mein Männchen unmittelbar nach der Häutung und farblich leicht verändert auf dem Weg in die schützende Wohnhöhle. 

Das Tier bleibt zwei bis drei Tage in seiner Höhle, wächst währenddessen kräftig und wartet ab, bis der neuer Panzer ausgehärtet ist.

Seine Höhle verlässt es in dieser Zeit nur sehr kurz und mit größter Vorsicht um etwas zu fressen. Ich platziere die Nahrung dann möglichst genau vor der Höhle und vermeide jede Störung.

Danach präsentiert sich Euer Krebs deutlich größer und schöner als vorher. Oft ändert sich auch ihr Farbton. Meine beiden hatten zuerst einen rötlich braunen Panzer. Inzwischen hat mein Männchen einen bläulichen und mein Weibchens einen grünlichen Farbton.

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Vermehrung

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Bis zur Geschlechtsreife brauchen Rotscherenkrebse lt. Internet ein bis eineinhalb Jahre. Ich habe dazu noch keine Erfahrungen, weil ich nicht weiß, wie alt meine beiden waren als ich sie übernommen habe.

Als die Cherax bei mir einzogen, konnte ich ihr Geschlecht zunächst nicht unterscheiden. Dummerweise war ich davon ausgegangen, dass Cherax untenrum genauso aussehen wie alle anderen Flusskrebse auch. Das war ein Irrtum.

Flusskrebse lebten schon zur Zeit der Dinosaurier. Nachdem sich vor 180 Millionen Jahren der Superkontinent Pangäa in einen nördlichen Kontinent Laurasia (heute Europa, Asien, Nordamerika) und einen südlichen Kontinent Gondwana (heute Südamerika, Afrika, Indien, Australien) geteilt hat, haben auch die Flusskrebse auf beiden Kontinenten unterschiedliche Geschlechtsmerkmale entwickelt. Während Ihr bei den Cambarellus, Cambarus und Procambarus des ehemaligen Nordkontinents nach den Gonopoden kucken müsst, solltet Ihr bei den Cherax-Arten des ehemaligen Südkontinents auf die Gonoporen achten. Nur ein Buchstabe im Wort anders, aber der macht's aus. 

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Die Gonoporen befinden sich an der Unterseite des Cherax. Bei den weiblichen Tieren sind dies die beiden runden, glatten, etwas nach außen gewölbten eng beieinander liegenden Eiablageöffnungen zwischen dem dritten und vierten Beinpaar. Die männlichen Gonoporen sind die beiden Dorne (Spermaöffnungen) am Ansatz des fünften (letzten) Beinpaars, mit denen sich das Männchen beim Weibchen einhakt. Bei jungen Männchen sind diese Dorne manchmal nur schwer zu erkennen. Weitere verwirrend kann entstehen, weil auch beim Männchen zwischen dem dritten und vierten Beinpaar runde Stellen erkennbar sind. Anders als beim Weibchen sind die aber rau. Es ist deshalb nicht verwunderlich, das junge Cherax-Männchen zunächst für Weibchen gehalten werden. 

Mit Fotos der Gonoporen kann ich leider nicht dienen, denn beide verfügen über eine Respekt einflößende Kraft und Beweglichkeit. Sie lassen sich nicht einfach für ein Foto ruhig auf den Rücken legen.

Mit der Geschlechtsreife bekommen die männlichen Tiere einen roten Fleck an der Außenseite der Scheren und sind daran leicht und zweifelsfrei zu erkennen. Der rote Fleck an den Scheren gab diesen Cherax auch den Name Red Claw oder Rotscherenkrebs. Die Flecken sind bei meinem Männchen inzwischen gut sichtbar. Mein Männchen musste dazu aber erst zehn Zentimeter groß werden. Vielleicht ist er ja ein Spätzünder, denn nach anderen Quellen sollen die roten Flecken schon bei fünf bis acht Zentimeter Körperlänge erkennbar sein.

Auf dem Bild rechts seht Ihr meine beiden Cherax, wie sie heute aussehen. Farblich haben sich beide deutlich verändert und auch die roten Flecken beim Männchen sind gut zu erkennen.

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Kaum hatte ich verstanden, dass die beiden Männlein und Weiblein sind, haben sie es auch selbst bemerkt und sind ihrer Bestimmung nachgegangen. Ich habe dabei allerdings auch etwas nachgeholfen, indem ich die Beckentemperatur auf 25°C erhöht und abwechslungsreich gefüttert habe.

Leider konnte ich das Paarungsverhalten der beiden nicht beobachten. Es soll sich aber von dem anderer Krebsarten unterscheiden. Bei den Cherax Quadricarinatus soll das Weibchen die Initiative übernehmen und das Männchen bei der Paarung unter dem Weibchen liegen. 

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Den Erfolg ihrer Bemühungen seht Ihr auf den Bildern links. Mein Weibchen trägt eine große Menge Eier an ihren Schwimmbeinen mit sich, die sie mit ihrem Schwanz gut beschützt. Dadurch ist aber leider auch das Fotografieren sehr schwer, so dass man die Eier auf den Bildern nur erahnen kann.

Wie viele Eier es tatsächlich sind, ist schwer festzustellen. 150 bis 1500 Stück sollen möglich sein. Meine noch junge Mutter liegt eher im unteren Bereich. 

Rechts: Quadricarinatus Mutterzeit

Videospielzeit: 3:39 Minuten

Wie Ihr auf dem Video seht, ist das Cherax-Weibchen sehr vorsichtig und beschützt ihre Eier ganz ausgezeichnet. Sie vertreibt, wie Ihr am Schluss seht, sogar das Männchen aus seiner Höhle, um sich zu verstecken. Zwischen den ersten Aufnahmen, mit den olivgünen Eiern und den letzten Aufnahmen mit den inzwischen orange gefärbten Eiern liegen genau fünf Wochen.

Immer wieder im Bild seht Ihr auch meine Sulawesi Inlandsgarnelen, die bestens mit den Cherax zurechtkommen.

Musik: Bop, Zauberwald http://bgsound.de/)

 

Nachwuchs

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Nach etwa sechs Wochen schlüpfen die bereits voll entwickelten Jungtiere. Sie werden danach aber noch einige Zeit von der Mutter in ihren Bauchtaschen herumgetragen und beschützt.

Vor der Geburt der kleinen Krebse habe ich die werdende Mutter in ein 6o-Liter-Becken umgesetzt. Das erscheint bei der Größe der Tiere erstmal furchtbar klein, aber sie hockt zur Bewachung ihres Nachwuchses eh nur in der bereitgestellten Höhle.
 

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Wie sorgfältig sie ihren Nachwuchs bewacht, könnt Ihr auf dem Bild rechts gut beobachten.

Für diese Bilder habe ich die Höhle entfernt, damit ich das schöne Tier auch mal zu Gesicht und vor die Kamera bekomme.

Sofort danach kauerte sie sich in eine Ecke und verhintert so dass sie von hinten angegriffen werden kann.

  Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Seit zwei Tagen ist sie nun dabei, ihre Babys nach und nach frei zu lassen. Auf dem Bild rechts könnt Ihr sehen, wie sich gerade ein junger Krebs von der Mutter trennt. Dann fange ich die Jungen aus dem 60er-Becken heraus und setze sie vorsichtig in ein 150-Liter-Becken. Das ist notwendig, weil die Elterntiere ihrem Nachwuchs nachstellen und auch die Babys untereinander sehr kannibalistisch sein sollen. Bisher konnte ich allerdings nichts dergleichen beobachten. Am Ende habe ich die zuletzt freigelassenen Babys im 60er-Becken gelassen und die Solo-Mutter zurück in ihr angestammtes 150-Liter-Becken gesetzt, wo sie von ihrem Partner freudig begrüßt wurde.

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Um den Kannibalismus unter den Jungtieren zu begrenzen, sollte das Jungtierbecken eine möglichst große Grundfläche haben. Ihr müsst auch für ausreichend viele Versteckmöglichkeiten sorgen. Ich habe deshalb einige Lochsteine, Lavasteine und Wurzeln ins Becken gelegt. Da sich die Jungtiere in der Anfangszeit von Mulm ernähren, solltet Ihr für de Aufzucht ein eingefahrenes Becken verwenden.

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Auf den Bildern links und unten seht ihr einige Exemplare meines Nachwuchses an ihrem Geburtstag. Zählen kann man sie nicht, aber es dürften etwa 100 bis 200 Jungtiere sein. Da sie noch sehr klein und durchsichtig sind und im Kies kaum auffallen, habe ich einige von ihnen in mein Fotostudio (unten) eingeladen.

Die Körperlänge der Jungtiere liegt bei acht bis neun Millimeter.

Sie ernähren sich zunächst von Mulm. Ich füttere aber von Anfang an auch Flockenfutter, in den ersten Tagen fein gemahlen, später etwas gröber.

 Australischer Rotscheren Flusskrebs - Red Claw (Cherax Quadricarinatus)
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Rechts: Quadricarinatus Kindertage

Videospielzeit: 1:10 Minuten

Auf dem Video rechts ist mein Quadricarinatus-Nachwuchs genau elf Tage alt. Ihr Lebensinhalt: fressen - häuten - wachsen.

Musik: Berthold Göbbels, Gehrock
(http://bgsound.de/)

Auf den Bildern unten sind die jungen Krebse schon zwei Wochen alt. Sie wachsen sehr schnell und häuten sich im Schnitt ein bis zwei Mal täglich. Da die Krebse sehr unterschiedlich schnell wachsen ist die Häutungsperiode von Tier zu Tier verschieden. Nach jeder Häutung sind sie natürlich besonders gefährdet. Bisher konnte ich noch keinen Kannibalismus beobachten. Gelegentlich fallen aber schon Tiere mit fehlenden Gliedmaßen auf. 

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Inzwischen sind die Jungtiere sechs Wochen alt und 40 mm groß. Ihr Panzer bekommt langsam Farbe. Die Scheren beginnen sich blau zu färben und die orange abgesetzten Gelenke sind schon gut zu erkennen.

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