Aquarien, deren Bewohner und mehr
  Caridina
 

Bienen- und Tigergarnelen (Caridina)


Bienen und Tiger sind die Arbeiter unter den Garnelen. Auf der ständigen Suche nach Nahrung wenden sie Stein für Stein und durchfurchen in kürzester Zeit den kompletten Beckenboden. In ihrer Heimat wurden sie in Bächen mit Sand- und Kiesboden gefunden. Dort ernähren sich sich vom Bodenbewuchs, verrottenden Pflanzen und kleinsten Insektenlarven. In meinen Aquarien haben sie auch die im Moos versteckte Nahrung entdeckt. An kühleren Tagen wuseln sie gerne frei schwimmend durch die Becken. So ist ständig etwas los und viel zu kucken.

Inhalt

Haltung
Becken
Ernährung
Vermehrung
Nachwuchs

 

Bienen- und Tigergarnelen gehören zu den Süßwasser-Zwerggarnelen. Männchen werden 20 bis 25 Millimeter, Weibchen 25 bis 30 Millimeter groß.

Seit 2014 ist der wissenschaftliche Artenname für Bienengarnelen Caridina logemanni und für Tigergarnelen Caridina mariae.

Häufig wird für Bienen- und Tigergarnelen noch der gemeinsame alte Artenname Caridina cantonensis  verwendet.  Manchmal mit einem eingeschobenen "cf." für confer = vergleichbar mit, das auf eine unsichere Artenbestimmung hinweist.

Meine Bienengarnelen
Caridina logemanni

Christal Red Bee

Meine Tigergarnelen
Caridina mariae

Deep Blue Tiger

Die Garnelen hat niemand über die Artendifferenzierung informiert. Bienen- und Tigergarnelen vermehren sich problemlos untereinander. TiBees und TaiTiBees genannte Kreuzungen werden bereits gehandelt, sind bisher aber anscheinend nicht genetische stabil. Auch Hummelgarnelen (Caridina breviata) und Tüpfelgarnelen (Caridina serrata) sollen sich mit Bienen- und Tigergarnelen paaren.

Das bedeutet nicht, dass sich sämtliche Caridina-Arten miteinander paaren. Meine Sulawesi Inlandsgarnele (Caridina parvidentata) sind beispielsweise eine völlig andere Art, mit denen sich meine Bienen- und Tigergarnelen niemals paaren könnten.

Bienengarnele Caridina logemanni var. Christal Red Bee
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Bienengarnele erkennst Du an ihren klar abgegrenzten breiten Querstreifen. Alle Züchtungen stammen von schwarz-weiß quergestreiften Wildgarnelen und einer selten rot-weißen Mutation ab. Züchter versuchen, den Weißanteil zu erhöhen und die roten bzw. schwarzen Querstreifen auf wenige Flächen und Muster zu reduzieren. Inzwischen gibt es auch einfarbige Bienengarnelen und in Taiwan gezüchtete Taiwan-Bees in vielen Farbvarianten.

Blaue Tigergarnelen (Caridina mariae var. Deep Blue Tiger Orange Eye)
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Tigergarnelen erkennst Du an ihren fünf schmalen, deutlich abgegrenzten, dunklen (schwarzen, bläulichen, bräunlichen oder rötlichen) Querstreifen. Die beiden ersten Streifen biegen sich etwas nach vorne, die hinteren drei nach hinten. Am herausstechendsten sind die dunklen Streifen bei wilden Tigergarnelen mit nahezu transparenter Körperfarbe. Bei den hochgezüchteten intensiv blauen und schwarzen Tigergarnelen sind die dunklen Streifen auf dem ebenso dunklen Körper kaum noch zu erkennen.

 

Haltung

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Die natürliche Heimat der Bienen- und Tigergarnelen sind die gemäßigten Bergregionen Südchinas, Taiwans und Koreas. Sie leben dort in kleinen Bächen und Tümpeln.

Auch wenn ihr Name gefährlich klingt: Bienen- und Tigergarnelen stechen oder beißen nicht. Sie sind sehr friedliche, nicht sehr anspruchsvoll Aquarienbewohner und eignen sich auch für Anfänger. Da kannst sie in kleinen Becken ab 12 Litern halten. Bei der Bemessung des Beckens solltest Du aber bedenken, dass sich Garnelen nur als Gruppe wohl fühlen und gerne vermehren. Größere Becken senken auch den Pflegebedarf denn in kleinen Becken verschmutzt das Wasser weitaus schneller.

Bienengarnele Caridina logemanni var. Christal Red Bee
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Meine Garnelen leben streng getrennt nach Arten in mehreren 30 Liter Nanobecken. Damit vermeide ich Kreuzungen unterschiedlicher Arten.

Vor allem aber will ich verhindern, dass sich verschiedene Garnelenarten, auch solche, die sich nicht untereinander paaren, den Lebensraum streitig machen. Sind zwei Garnelenarten in einem Becken, gewinnt eine irgendwann die Oberhand und die andere stirbt aus.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Garnelen fressen oder bekriegen sich nicht gegenseitig. Eine der beiden Arten ist nur vorneweg am Futter, ernährt und vermehrt sich besser. Die andere Art futtert und vermehrt sich weniger bis die letzte an Alterschwäche stirbt. Mehr füttern hilft nicht. Dann kippt das Wasser schnell um und alle sind perdue.

Garnelen kommen gut mit Fischen zurecht. Bei der Vergesellschaftung mit Fischen kann aber der Garnelennachwuchs leiden. Manche mögen das hilfreich finden. Ich halte die Tiere lieber getrennt.

 

Becken

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Im harten Kölner Leitungswasser fühlen sich meine Garnelen ausgesprochen wohl. Die Kölner Wasserwerke nennen eine Gesamthärte um 13,8° dGh und eine Karbonhärte um 10,0° dKh. Das liegt über den im Internet genannten Wohlfühlwerten von 5-12° dGh und 0-8° dKh, macht meinen Bienen- und Tigergarnelen aber nichts aus.  

Glatte Böden mögen Garnelen nicht. Dein Aquarienboden muss mit Sand oder Kies bedeckt sein. Dunkler Kies für den Boden ist meistens ideal.

Bienen- und Tigergarnelen brauchen am Boden Platz, am besten eine große Lichtung, die sie durchwühlen können und sie brauchen Platz, um frei im Wasser schwimmen zu können. Ein reiner Felsengarten, in dem die Garnelen nicht buddeln können, ist ungeeignet.

Blaue Tigergarnelen (Caridina mariae var. Deep Blue Tiger Orange Eye)zum Vergrößern auf das Bild klicken

Einige Pflanzen und Einrichtungsgegenstände im Becken erhöhen das  Wohlbefinden Deiner Garnelen. Im Moos finden sie viel Fressbares. Trächtige Weibchen finden zwischen den Pflanzen genügend Verstecke. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele trächtige Damen tatsächlich im Becken leben, da sie sich gewöhnlich nur kurz beim Füttern zeigen und danach schnell wieder verschwinden. Meine Becken habe ich mit Wurzeln und einem größeren Felsen dekoriert. Bepflanzt sind sie mit Tigerlotus, Java-, Teichleber- und Taiwanmoos.

Strömung brauchen die Garnelen nicht. Sie entsteht aber automatisch durch die Filter und stört auch nicht. Ich verwende Mattenfilter mit Luftheber.

Eine Heizung ist völlig überflüssig. Meine Garnelen leben ohne Heizung bei Zimmertemperatur, also gut 20°C. Bei dieser Temperatur schwimmen sie auch gerne frei im Becken. Kühler als 15°C sollte das Wasser nicht werden. Treibt der Sommer die Zimmertemperatur über 24°C bleiben sie am Boden.

Bei spätestens 27°C brauchen Deine Garnelen Kühlung. Fast schlimmer als die hohe Wassertemperatur ist der im warmen Wasser niedrige Sauerstoffgehalt und die schnell nachlassende Wasserqualität.

Als erstes solltest Du zusätzliche Wärmequellen meiden:  Lass die Aquarienbeleuchtung aus und entferne eine ohnehin überflüssige Aquarienabdeckung. Schnelle Hilfe bringen Kühlakkus, Eiswürfel und häufiger Wasserwechsel. Vielleicht findest Du in Deiner Wohnung oder im Keller auch einen kühleren Platz. Einige Tage kommen Deine Garnelen zwar mit etwas wärmeren Wassertemperaturen zurecht. Ideal ist das aber nicht.

Als Beckenbeleuchtung verwende ich inzwischen nur noch LED. Sie geben ein natürlicheres Licht als Leuchtstoffröhren und senken zudem die Stromkosten. Meine Beleuchtung schaltet sich automatisch von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 22 Uhr an. Eine Abdeckung der Becken ist unnötig.

 

Ernährung

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Blaue Tigergarnelen (Caridina mariae var. Deep Blue Tiger Orange Eye)
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Garnelen fressen alles und ständig. Nachvollziehbar angesichts der Kürze ihres Darms. In ihrem natürlichen Umfeld ernähren sie sich von herabgefallenem Laub, verrotteten Pflanzen, dem Bewuchs von Steinen und kleinen Insektenlarven. Sie benötigen vorwiegend pflanzliche Nahrung.

Mulm ist in einem Garnelenbecken deshalb unverzichtbar und insbesondere für Jungtiere überlebenswichtig. Da der beste Mulm im Filter steckt, solltest Du beim Auswaschen etwas Mulm auffangen und zurück ins Becken geben.

In ein Garnelenbecken gehört auch etwas Herbstlaub, vorzugsweise von Ahorn, Buche, Eiche oder Hasel. Andere Laubarten solltest Du meiden, da manche Giftstoffe enthalten. Wichtig: Das Laub muss alleine vom Baum gefallen sein. Erst dann sind bestimmte Abbauprozesse im Blatt abgeschlossen.

Es muss auch sauber sein und muss zu Hause mit kochendem Wasser durch abgebrühen keimfrei gemacht werden. Ein paar Minuten im kochenden Wasser ziehen lassen und mit kaltem Wasser abspülen. Dann kannst Du das Laub ins Aquarium geben. Es sinkt von selbst ab und dient als Futter und Versteckmöglichkeit für Deine Garnelen. Herbstlaub verbessert durch seine Gerbstoffe auch die Wasserqualität. Du solltest keinesfalls darauf verzichten.

Auch Gemüse (Spinat, geschälte Gurkenstücke, Paprika) muss vor dem Füttern kurz abgebrüht (blanchiert) werden. Damit tötest Du Keime ab und macht das Gemüse besser verdaulich.

Damit haben die Tiere schon mal ständig etwas zu tun, aber als alleinige Ernährung reicht es nicht. Ich füttere meine Garnelen deshalb täglich mit SAK Aquaristikfutter. Die Tiere lieben es. Dazu sättigt es besser als anderes Aquaristikfutter, dass ich früher verwendet habe. Ich füttere etwa 40 Prozent weniger und muss entsprechend weniger Hinterlassenschaften aus dem Wasser filtern.

Garnelen benötigen überwiegend pflanzliche Nahrung. Bei zu viel eiweißhaltiger Tiernahrung bekommen sie Häutungsprobleme, die zum Verlust von Gliedmaßen oder zum Tode der Tiere führen.Tierisches Futter sollte trotzdem nicht völlig fehlen. Einmal in der Woche füttere ich deshalb gefrostete Artemia. Öfter sollte es nicht sein.

 

Vermehrung

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Bienen- und Tigergarnelen sind nach etwa drei Monaten geschlechtsreif. Weibchen sind etwa fünf Millimeter größer als ihre männlichen Artgenossen. Sie sind auch kompakter und meist kräftiger gefärbt. Trotzdem ist ein heranwachsendes Weibchen nicht immer leicht von einem männlichen Tier zu unterscheiden

Geschlechtsreife weibliche Tiere erkennst Du am Eifleck im Nacken. Das ist der noch unbefruchtete Laich der Garnelen.

Sind die Eier reif, häutet sich das Weibchen. Sobald ihr Panzer ausgehärtet ist, verströmt sie einen Duftstoff mit dem sie Männchen anlockt.

Bienengarnele Caridina logemanni var. Christal Red Bee
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Die beim Paarungsschwimmen hinter dem Weibchen herjagenden Männchen sind ein herrliches Schauspiel. Irgendwann hat es ein Männchen geschafft, packt das Weibchen und platzieren mit seinen Endopoden Samenpakete an der Geschlechtsöffnung des Weibchens. Spätestens nach 24 Stunden presst das Weibchen ihre Eier an den Samenpaketen vorbei in die Bauchtasche ihres Hinterleibs. Dabei erfolgt die Befruchtung. In dieser Bauchtasche bleiben die Eier bis die jungen Garnelen schlüpfen.

Nach der Befruchtung verschwinden die Weibchen gewöhnlich in einem Versteck und lassen sich nur gelegentlich beim Füttern sehen. Ihr sucht besser nicht nach ihnen. Lasst die Tiere in Ruhe und vermeidet Stress, sonst endet das Mutterglück vorzeitig.

Bei der Fütterung solltet Du besonders auf Weibchen mit hellerem Körper achten. Bei ihnen kannst Du die sich in der Bauchtasche entwickelnden Eier gut beobachten. Kurz vor der Geburt kannst Du auch die Augen der jungen Garnele als schwarzen Punkt erkennen.

Nach etwa vier Wochen Tragezeit bringt das Weibchen etwa 30 fertig entwickelte Jungtiere von knapp zwei Millimeter Länge zur Welt.

Währenddessen hat das Weibchen schon neuen Laich gebildet und ist kurz darauf erneut zur Paarung bereit. Wenn die Tiere sich wohl fühlen vermehren sie sich alle sechs Wochen. Gelegentlich legen sie aber auch eine Pause ein.

 

Nachwuchs

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Bienengarnele Caridina logemanni var. Christal Red Beezum Vergrößern auf das Bild klicken

Blaue Tigergarnelen (Caridina mariae var. Deep Blue Tiger Orange Eye)zum Vergrößern auf das Bild klicken

Auch die Nachwuchshaltung der Bienen- und Tigergarnelen ist problemlos. Es gibt keinen Kannibalismus. Jungtiere und Erwachsene müssen also nicht getrennt werden. Lediglich Fische könnten dem Nachwuchs zusetzen. Wer seine Garnelen vermehren möchte sollte also lieber auf ein Zusammenleben mit Fischen im gleichen Becken verzichten.

Junge Garnelen ernähren sich vorwiegend von Mulm und Futterresten im Becken. Ich habe mir angewöhnt etwas SAK Aquarienfutter mit einer elektrischen Kaffeemühle fein zu mahlen und ins Becken zu streuen, damit der Nachwuchs immer etwas zum schnabulieren hat. Achtung: In der Mühle wurde und wird natürlich ausschließlich Futter gemahlen, nie Kaffee.

Nach sechs Monaten sind die Jungtiere geschlechtsreif. Ihr Höchstalter ist etwa zwei Jahre.

 
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