Aquarien, deren Bewohner und mehr
  Fischfotostudio
 

Mein Fischfotostudio

Habt ihr schon einmal versucht, einen Guppy in freier (Aquarien-) Wildbahn zu fotografieren? Bei meinen ist das meist ziemlich nervig. Entweder bin ich zu langsam oder der Fotoapparat löst zu spät aus oder beides. Mal sind sie zu weit hinten im Becken und mal verschwinden sie hinter einer Wasserpflanze. Auf jeden Fall sind sie schneller als ich. Irgendwann hatte ich die Nase voll und habe mir deshalb ein Fischfotostudio gebaut.

 

Herzstück meines Fischfotostudios ist das kleine ovale Plastikgefäß auf dem Bild links. Ich habe es zufällig im Haushalt gefunden: oben 10,5 cm breit und 4,5 cm tief, 11 cm hoch (mit Fuß), nach unten leicht konisch zulaufend. Da es aus Plastik ist, sind die Wände sehr schön glatt. Eine Blumenvase aus gepresstem Glas, mit der ich es vorher probiert habe, hatte wellige Wände und war deshalb für Fotos nicht geeignet. Ein Wasserglas war zu klein. Mein Plastikgefäß ist einerseits so groß, dass ein Guppy noch frei darin schwimmen kann. Anderseits ist es so klein, dass ich noch aus wenigen Zentimetern Entfernung die volle Gefäßbreite inklusive Guppy im Bild habe und so flach, dass die Chance für ein relativ scharfes Guppybild recht groß ist.

Beleuchtet wird mein Fischfotostudio von einer 30 Watt Tageslicht-Leuchtstoffröhre. Das reicht wie ihr seht. Helleres und weicheres Licht wäre aber, wie die Erfahrung zeigt, noch besser. Ich überlege deshalb, wie ich mein Fischfotostudio irgendwann mal ohne viel Geld und Aufwand und ohne mehr Spiegelungen um eine Softbox bereichern könnte.


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Auf dem Bild links seht Ihr den aktuellen Aufbau meines Studios. Das Plastikgefäß steht auf einer milchig-weißen Plexiglasplatte etwa 15 bis 20 cm vor eine hellgrauen Wand. Bei dieser Entfernung ist die Wand im Hintergrund absolut unscharf und stört nicht im Bild. In das Gefäß kommt etwas Aquarienwasser damit sich der Fisch wohl fühlt. Leitungswasser wäre natürlich sauberer, aber ich will meine Tiere fotografieren und nicht noch zusätzlich stressen. Die Leuchtstoffröhre befindet sich etwas 10 cm vor dem Gefäß in Höhe der Gefäßoberkante. Mein Fotoapparat steht auf der Plexiglasplatte zwischen Plastikgefäß und Leuchtstoffröhre. Die Front der Kamera liegt dadurch im Lichtschatten und kann sich nicht auf dem Gefäß spiegeln. Den genauen Abstand zum Gefäß muss man ausprobieren. Es sollten beide Gefäßränder im Bild sein, aber auch nicht mehr oder weniger. Dann ist der Fisch immer möglichst groß im Bild.

Wenn alles aufgebaut ist, kommt der erste Fisch in das Plastikgefäß und dann ist erstmal Geduld angesagt. Zuerst muss sich der Fisch vom Umzug beruhigen und dann muss er mit der neuen Umgebung klarkommen. Das dauert. Danach entstehen die ersten Fotos, wobei die Kleinen nicht die geringste Absicht haben, still zu stehen, geschweige denn bestimmte Posen einzunehmen. Es dauert deshalb noch mal und ich mache immer eine Menge Fotos, in der Hoffnung, dass wenigstens eins davon etwas wird.


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Nach dem Fotografieren geht's zur Bildbearbeitung am Computer, bei meinen Bildern mit Adobe Photoshop CS2. Die gleichen Arbeitsschritte sind aber mit fast jedem Bildbearbeitungsprogramm, ob gekauft oder Freeware möglich. Das wohl beste Freewareprogramm ist GIMP.

GIMP-Download                 GIMP-Handbuch

Eine Bildbearbeitung ist bei jedem Bild sinnvoll und macht es brillanter. Im Grunde ist es sehr einfach, schnell und effektiv, aber Übung braucht's schon.Bei der Bildbearbeitung sollte der Fisch auf dem Monitor möglichst groß zu sehen sein. Für jeden Arbeitsschritt solltet Ihr eine neue Ebene anlegen, um die Verbesserungen vergleichen und bei Nichtgefallen einen Schritt zurückgehen zu können. Die Arbeitschritte sind immer wieder gleich:

Originalbild

1. Tonwertkorrektur

2. Gradationskurve

3. Fleckentfernung


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Brilliante Bilder sollten einen schwarzen und einen weißen Punkt besitzen. Diese werden durch Verschieben der beiden äußeren Dreiecke unterhalb der Tonwertkurve festgelegt (Bild unten). Wenn der Fisch groß im Bild ist, fällt ein Zuviel sofort auf.

Das Bildbearbeitungs-Programm zieht bei der Tonwertkorrektur alle Farben im Bild gleichmäßig auseinander. Das veränderte Bild seht ihr oben, die auseinander gezogene Tonwertkurve unten.

Mit der Gradationskurve werden alle mittleren Töne zwischen schwarz und weiß nach hell oder dunkel verschoben. Für das Bild oben wurden mit der Gradationskurve unten alle hellen Töne noch etwas aufgehellt und dunkle Töne beibehalten.

Damit das Augenmerk auf dem Fisch liegt, wird der Dreck im Wasser und Wasserflecken auf dem Gefäß weggestempelt. Ggf. auch ein Teil des Gefäßes, wenn es stören sollte.


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4. Finale

Wenn Ihr den Fisch aus dem Bild (3) rechts oben  im Verhältnis 4 : 3 ausschneidet entsteht der Bildausschnitt links.

Zusätzlich wird das Bild web-optimiert und die Zahl der Pixel vermindert:
- Für die Vergrößerung auf 1000 x 750 Pixel
- Für die Website auf 400 x 300 Pixel

Zum Schluss wird noch der Rahmen und das Logo eingefügt.

Für eine gute Bildbearbeitung sollte der Bildschirm kalibriert sein; bei mir mit ColorVision Spyder2Pro. Bevor ihr Geld für so ein Kolorimeter ausgebt, solltet ihr aber schon ein paar Erfahrungen mit der Bildbearbeitung gesammelt haben.

ColorVision Spyder


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Mein Fischfotostudio funktioniert bei Bedarf natürlich auch mit einem schwarzen Hintergrund. Ich stelle dazu einfach eine schwarze Pappe hinter das Gefäß. Ein heller Hintergrund gefällt mir aber im Moment besser.


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Ich fotografiere mit einer Canon Digital Ixus 40. Weil sie so klein ist, habe ich sie ständig bei mir, um schnell mal ein Foto zu schießen. Gelegentlich mache ich mit dem Apparat auch ein paar Videos. Ich bin zwar kein Fotofachmann, finde aber die Bildqualität für so eine kleine "Immer-Dabei-Amateurkamera" erstaunlich gut.

Irgendwann habe ich entdeckt, dass ich mit dem Apparat bis auf drei Zentimeter an das Objekt ranrücken kann. Seitdem fotografiere ich mit wachsender Begeisterung meine Aquarientiere.

Wichtig ist, dass Ihr mit der Kamera wirklich dicht an die Tiere ran kommt. Das geht gerade mit kleinen Kameras meistens sehr gut. Wichtig ist auch ein vernünftiges Objektiv. Kameras in Handys haben da manchmal Schwierigkeiten. Wichtig sind schließlich viel Licht, eine Menge Geduld und viele Bilder. Dann klappt es schon. Viel Vergnügen.

 
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