Aquarien, deren Bewohner und mehr
  Goldene Schwarzaugen-Antennen-Harnischwelse
 

Goldene Schwarzaugen-Antennen-Harnischwelse (Ancistrus sp. L 144)

Leuchtend goldgelb-orange sind sie, mit strahlend schwarz-blauen Terrence-Hill-Augen und ziemlich strubbelig am Kopf. Ein Hinkucker für jedes Aquarium. Durch ihre Augenfarbe sind sie leicht von Albinowelsen zu unterscheiden, die oft ebenfalls gelblich gefärbt sind, aber immer rote Augen haben.

Wenn ich ins Zimmer trete, verstecken sie sich schnell. Die schwingenden Dielen meiner Altbauwohnung bringen das Aquarienwasser in Wallung und sorgen für Unruhe. Nach wenigen Minuten sind sie zurück und nuckeln weiter an Steinen und Ästen herum.

Inhalt

Haltung
Becken
Ernährung
Vermehrung
Nachwuchs

 
Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Das "L" im Namen steht für die Wels-Familie der Loricariidae, zu Deutsch: Harnischwelse. Das sind die Fische mit dem Saugnapf. Ihre Heimat sind stark strömende Bäche und Flüsse Südamerikas. Da ist es praktischer und energiesparend, wenn sie sich irgendwo festsaugen und langsam und genüsslich alle Algen abraspeln.

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Meister der Tarnung sind Harnischwelse außerdem. Das führt schon in der Natur zu großem Artenreichtum. Züchter nutzen ihre Veranlagung und schaffen eine Vielzahl weiterer genetisch stabiler Arten. Die Aquaristik- und Terrarienzeitschrift (DATZ) nummeriert deshalb neue Arten. So kamen meine Goldjungs und -mädels zum Namen L144. Männchen werden bis zu 15 Zentimeter groß. Weibchen bleiben etwas kleiner.

Friedlich sind sie, aber nicht wehrlos. Ihr wissenschaftlicher Gattungsname Ancistrus kommt aus dem Griechischen und bedeutet Widerhaken. Gemeint ist der hakenförmige Stachel auf ihrem Kiemendeckel. Den spreizen sie bei Gefahr zur Verteidigung weit ab und rammen mit einer kurzen Rückwärtsbewegung ihren Angreifer. Versuche also bitte nicht, einen L144er mit der Hand zu fangen. Das ist schmerzhaft.

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Auffälliges Merkmal meiner erwachsenen Männchen sind ihre vielen kurzen, dicken, geweihartig verzweigten Barteln am Kopf. Weibchen  tragen kein opulentes "Geweih", sondern nur einen dezenten "Damenbart". Das "Geweih" macht sie zu Antennen-Harnischwelsen. Die sind genauso friedlich wie alle Harnischwelse. Dass ihr deutscher Name gerne zum Antennenwels verkürzt wird, stört sie gar nicht.

Mit Antennenwelsen (Pimelodidae), das sind die mit den auffällig langen dünnen Barteln, haben sie wenig gemein. Vor allem jagen Harnischwelse niemals Fische, Krebse und andere Wirbellose.
 

 

Haltung

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Harnischwelse sind pflegeleicht und können auch von Anfängern gut gehalten werden. Du kannst wenig falsch machen.

Ich halte sie in einem Becken gemeinsam mit Sulawesie-Inlandsgarnelen und Apfelschnecken.

Kauf' Dir bitte keine Einzeltiere. Harnischwelse fühlen sich in Gesellschaft wohler und sollten als kleine Gruppe gehalten werden. Eine stabile Gruppe sollte aus mindestens zwei Männchen und zwei Weibchen bestehen.

Ansonsten probier einfach aus, was Du für richtig hältst. Harnischwelse sind sehr flexibel und anpassungsfähig.

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Meine Goldjungs und -mädels verhalten sich z. B. absolut nicht nach Gebrauchsanweisung. Durch Zufall wurden mir 2011 gleichzeitig aus vier Quellen insgesamt 20 etwa einen Zentimeter große Jungtiere angeboten, die ich in ein Becken mit 40 mal 120 Zentimeter Grundfläche gesetzt habe.

Das war etwas gierig von mir und ich befürchtete Ungemach, sobald sie erwachsen wären. Laut Lehrbuch braucht ein erwachsener männlicher Harnischwels etwa 60 Zentimeter Platz um seine Bruthöhle, sonst gäbe es Revierkämpfe unter den Männchen. Auch das Verhältnis Männchen zu Weibchen sollte ausgeglichen sein, sonst hätten die Männchen zu viel Stress. Richtig für mein Becken wären laut Lehrbuch also nur zwei Männchen und zwei Weibchen. Soweit die Theorie.

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Ich halte meiner Welse inzwischen mehrere Jahre. Sie fühlen sich auch in der von mir angebotenen engen Gesellschaft wohl und vermehren sich, seit sie geschlechtsreif sind, prächtig.

Aus den zwanzig Jungspunden ist inzwischen eine Kolonie mit mehr als hundert sehr sozial zusammenlebender Tieren geworden

Aus dem Lehrbuch lernen und sich aggressiv bekämpfen wollen sie zum Glück noch immer nicht.

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Becken

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Meine Goldmädels und-jungs leben in einem 240 Liter Becken mit 40 mal 120 Zentimeter Grundfläche.

Ernährung, Vermehrung, Flucht. Wenn Du für diese Grundbedürfnisse Deiner Tiere günstige Bedingungen im Becken schaffst, gibt es keine Probleme.

Harnischwelse ernähren sich bevorzugt von Algen, die sie von glatten Steinen, Holz und Blättern abraspeln und deshalb ins Becken gehören. Die Aquarienwände, die sie zur Freude aller Aquarianer gerne reinigen, sind ja schon da.

Die Welse haben mich auch auf die Idee gebracht ihr Becken mit zahlreichen selbst getöpferten gebrannten Tonröhren auszustatten. Sie sind beliebte Verstecke, in die sich die Welse flüchten können und ideale Bruthöhlen. Sehr gerne saugen sich die Welse auch an der Außenseite fest und raspeln die Algen ab.

Etwas Grünes, bei mir sind es Tigerlotus und Wasserfreund, gehören ebenfalls ins Becken. Das sieht nicht nur gut aus. Auch Pflanzen sind schöne Verstecke und beliebte Plätze um die an ihnen haftenden Algen abzuweiden. Die Pflanze selbst bleibt dabei unbeschädigt.

Zweckmäßig ist auch ein offener Platz zum füttern.

 
Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Ein Eheim 3 Professionell mit 1250 Litern Filterleistung pro Stunde sorgt bei mir für gute Wasserqualität. Gut hundert ständig futternde Welse haben reichlich Verdauung, die weggefiltert werden muss.

Der Ursprung der L144 liegt in stark strömenden sauerstoffreichen Bächen Südamerikas, vermutlich Paraguay. Sie leben dort aber auch in schwach fließenden und stehenden Gewässern. Die Tiere sind also von Natur aus belastbar und sehr flexibel. Es ist deshalb nicht zwingend erforderlich, im Becken für eine starke Strömung oder hohen Sauerstoffgehalt zu sorgen. Du kannst aber gerne den Sauerstoffgehalt im Becken mit einem Sprudelstein erhöhen.

Eine Beckenheizung verwende ich nicht. Meine Welse leben bei Zimmertemperatur, also etwa 20°C. Mit einer höheren Wassertemperatur kann die Vermehrung gefördert werden. Über 28°C sollte die Wassertemperatur aber nicht liegen.

Zweckmäßig ist ein wöchentlicher Teilwasserwechsel.

Als Beckenbeleuchtung verwende ich Leuchtstoffröhren, die sich automatisch von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 22 Uhr anschalten.

 

 

Ernährung

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Vielfach wird gesagt, dass Wurzelholz ins Becken gehört, weil Harnischwelse Holzbestandteile für ihre Darmflora benötigen. Es gibt Untersuchungen, die Holzanteile im Magen der Welse bestätigen. Es gibt aber auch Aquaristen, die Harnischwelse erfolgreich ohne Wurzelholz im Becken halten. In meinem Harnischwelsbecken ist auch eine Wurzel. Ich verwende Wurzelholz aber eher zurückhaltend, weil es dass Wasser gerne bräunlich eintrübt.

Egal ob Wurzel, Stein, Tonröhre, Blatt oder Beckenwand: Meine Ancistrus haben sich eigentlich immer irgendwo festgesaugt und zutzeln die darauf sitzenden Algen und Moose ab. Das alleine reicht aber nicht für ihre Ernährung.

Zur täglichen Fütterungszeit gibt es zusätzlich Flocken- und Frostfutter. Gelegentlich füttere ich auch Gurkenscheiben oder kurz abgebrühte Salatblätter. Abwechslungsreich soll es schon sein. Im Grunde sind die Welse aber sehr genügsam und nehmen alles was gerade kommt.

Aquarienpflanzen lassen sie unbeschädigt.

 Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Vermehrung

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Ancistrus sind Höhlenbrüter. Besonders bewährt haben sich Tonröhren mit nur einer Öffnung, die der Wels mit seinem Körper komplett verschließen kann.

Da alleine die Männchen für die Brutpflege zuständig sind, soll die Anzahl der Bruthöhlen möglichst doppelt so groß sein, wie die Anzahl Deiner geschlechtsreifen Männchen.

Das wird bei mir schon etwas schwierig. Ein begrenztes Bruthöhlenangebot ist aber auch ein Mittel zur Bevölkerungskontrolle. Unruhe und aggressive Kämpfe um Bruthöhlen konnte ich bisher nicht beobachten.

Ich habe bisher auch die Wassertemperatur eher niedrig gehalten um die Vermehrung einzugrenzen. Für eine geplante Vermehrung sollte die Wassertemperatur bei 23 bis 27°C liegen.
 

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Das Männchen startet sein Paarungsritual, indem es die von ihm favorisierte Bruthöhle putzt. Damit will er ein Weibchen beeindrucken und ihre Gunst erlangen. Meistens ist er schnell erfolgreich. Das Weibchen besichtigt die Bruthöhle, laicht und entschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Dann ist das Männchen am Zuge, besamt den Laich und beginnt  mit der Brutpflege. Was es da so treibt, ist nicht zu sehen, da es ständig mit dem Kopf vorneweg in der Röhre steckt. Von außen erkennbar ist nur, dass es mit seinen Flossen ohne Unterlass frisches Wasser in die Röhre fächert und damit für ein gutes, sauerstoffreiches Klima in der Bruthöhle sorgt. Bei Gefahr drückt es sich noch etwas tiefer in die Höhle und spreizt Flossen und Kiemenstachel weit ab.
 

 

Nachwuchs

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Nach etwa fünf bis sieben Tagen schlüpfen die ersten Jungtiere. Auch danach versucht das Männchen, alle Jungtiere in der Höhle beisammen zu halten. Das klappt oft nur teilweise. Ungefähr sieben Tagen nach der Schlupf verzieht sich das völlig ausgehungerte Männchen. Es hat die ganze Zeit nichts gefressen. Die jüngsten der etwa einen Zentimeter großen Jungtierbrut schwimmen noch zwei oder drei Tage mit ihrem Dottersack durchs Becken. Danach hängen auch sie auf Steinen und Tonröhren und zutzeln Algen.

 

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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Junge Welse sind etwa einen Zentimeter groß. Da sich ihr Darm noch richtig ausbilden muss, kommt alles was sie vorne in sich reinschieben hinten rasch wieder heraus. Du musst also häufig füttern.

Als Rückzugsmöglichkeit für die Jungtiere bieten sich kleine Tonröhren an, die immer zwei Fluchtausgänge haben sollten. Das senkt den Stress und erleichtert ihr Wachstum.

Um ihre Geschlechtsreife zu erreichen brauchen L144er etwa ein Jahr. Dann sind die Männchen etwa sieben bis zehn Zentimer groß und zeigen erste Geweihansätze.

Bis die Goldjungs und -mädels ausgewachsen sind, vergehen mindestens zwei Jahre. Sie können bis zu 15 Jahre alt werden.

Harnischwelse Ancistrus sp. L 144
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